Christa-Šerić-Geiger Preisträgerin 2026: Dr. Ilse Herberg hat Ortenauer Tafel-Kindern Hoffnung gegeben - und einen Schulabschluss
- Christa Seric-Geiger Preis -
Christa-Šerić-Geiger Preisträgerin 2026: Dr. Ilse Herberg hat Ortenauer Tafel-Kindern Hoffnung gegeben - und einen Schulabschluss
Mit einem Festakt wurde am 7. März der Christa Šerić-Geiger Preis der Kehler Carl-Friedrich Geiger Stiftung im Kulturhaus der Stadt verliehen. Erstmals wird mit Dr. Ilse Herberg eine Preisträgerin posthum geehrt - ihre Lebensleistung für Familien und Kinder, die auf die Offenburger Tafel angewiesen sind, wirkt weit über ihren Tod hinaus.
“Gleichgültigkeit und Nichtstun sind keine Option in dieser Zeit”: Treffender hätte Wolfram Britz, Kehler Oberbürgermeister, die Feierlichkeiten zum Christa Šerić-Geiger Preis 2026 nicht einleiten können. Der Satz beschreibt die Lebensleistung von Dr. Ilse Herberg, Ärztin, Offenburger Tafel-Mitbegründerin und Gründerin eines Bildungsprojektes speziell für “Tafel-Kinder”. Kinder, die hungrig in die Schule gehen, manchmal auch ins Bett. Kinder, die den Sportunterricht schwänzen, weil sie keine Schuhe haben. Jedes 7. Kind in Deutschland ist laut Statistischem Bundesamt armutsgefährdet. Wohin das in Deutschland immer noch führt: Schlechtere Bildung, fehlende Schulabschlüsse. Das Abitur schaffen? Ist abhängiger vom Elternhaus als vom Potenzial eines Kindes.
“Wissen Sie, für diese Schulstunden muss ich betteln gehen”
Dr. Ilse Herberg hat das gesehen. Sie sah hin, wenn andere die Augen verschlossen. Die studierte Medizinerin hat sich zeitlebens für andere eingesetzt: Als Mutter von drei Söhnen, unentgeltlich als sogenannte Gastärztin im Offenburger Krankenhaus, bei der Offenburger Tafel, wo sie noch im Alter von 80 Jahren ein wegweisendes Projekt ins Leben rief. Auf die Idee brachten sie die Kinder mit ihren Schulranzen, die in der Schlange der Tafel standen: “Kinder brauchen nicht nur Brot”, das sah sie, das trieb sie an. Sie startete eine Art organisierte Nachhilfe für die Jüngsten, deren Eltern keine Zeit, nicht die Sprache oder Mittel haben, ihren Kindern beim Lernen zu helfen.
Beim Bildungsprojekt der Offenburger Tafel sei ihr Ziel gewesen, dass “nicht nur schlechte Schülerinnen und Schüler aus prekären Verhältnissen gefördert werden, sondern gerade auch die klugen Köpfe, die man oft sich selbst überlässt”, beschreibt sie in einem Interview mit der Badischen Zeitung.
Dafür war sie sich für nichts zu schade. „Wissen Sie, für diese Schulstunden muss ich betteln gehen“, habe “Ilse” gescherzt, so erinnert sich Natali Bergen an ihren ersten Tag als Nachhilfelehrerin im Bildungsteam der Tafel. Heute hat sie das Offenburger Projekt gemeinsam mit Sybille Kiran übernommen - und damit das Vermächtnis von Dr. Ilse Herberg: Einen Schreibtisch voller Zettel und Stundenpläne, eine stets offene Tür. Und Geschichten wie die von wie Yusuf Y. aus Offenburg. Er ist eines der Kinder, das mit Ranzen in der Schlange vor Dr. Ilse Herberg stand. Heute hat er sein Abitur abgelegt und macht eine Ausbildung zum Bankkaufmann. Auf der Preisverleihung im Kehler Bürgerhaus sagt er mit fester Stimme: “Ich bin Frau Herberg unendlich dankbar.”
Für ihre Verdienste wurde die im November im Alter von 90 Jahren verstorbene Dr. Ilse Herberg posthum mit dem Christa Šerić-Geiger Preis 2026 ausgezeichnet. Die Ausschreibung richtete sich in diesem Jahr an Frauen aus der Region, die sich in besonderer Weise in der medizinischen Forschung, in Kunst und Kultur, in kulturellen oder sozialen Einrichtungen oder für die Gleichberechtigung von Frauen und Männern verdient gemacht haben. Der Preis ist mit 20.000 Euro dotiert.
Zur Person:
Dr. Ilse Herberg (*1935 in Ludwigshafen, 2025 in Offenburg) studierte in Heidelberg Medizin und promovierte. Mit ihrem Mann und drei Söhnen lebte sie ab 1970 in Offenburg, arbeitete 17 Jahre am damaligen Offenburger Kreiskrankenhaus. Ehrenamtlich engagierte sie sich als Mitbegründerin der Offenburger Tafel und in zahlreichen Projekten, die sich insbesondere für Frauen einsetzen, so z.B. bei der internationalen Frauen-Organisation “Inner Wheel”.
Info zum Preis:
Mit dem Christa Šerić-Geiger Preis ehrt die Kehler Carl-Friedrich Geiger Stiftung seit 2021 jährlich Frauen, die sich auf herausragende Weise in der medizinischen Forschung, in Kunst und Kultur, in kulturellen und sozialen Einrichtungen wie auch für die Gleichberechtigung von Frauen und Männern verdient gemacht haben. Das Kuratorium kann jährlich wechselnde Schwerpunkte benennen. Der Preis ist dotiert mit 20.000,00 Euro sowie einer Skulptur des Künstlers Alija Resic.
Mehr Informationen: https://stiftung-geiger.de/christa-seric-geiger-preis/
Info zum Preis:
Mit dem Christa Seric-Geiger Preis ehrt die Carl-Friedrich Geiger Stiftung seit 2021 jährlich Frauen, die sich auf herausragende Weise in der medizinischen Forschung, in Kunst und Kultur, in kulturellen und sozialen Einrichtungen wie auch für die Gleichberechtigung von Frauen und Männern verdient gemacht haben. Das Kuratorium kann jährlich wechselnde Schwerpunkte benennen. Der Preis ist dotiert mit 20.000,00 Euro sowie einer Skulptur des Künstlers Alija Resic.
