Der Preis Christa Šerić-Geiger

Mit dem Christa Šerić -Geiger-Preis ehrt die Carl-Friedrich Geiger Stiftung ab 2021 jährlich Frauen, die sich auf herausragende Weise in medizinischer Forschung, kulturellen oder sozialen Einrichtungen verdient gemacht haben.

Der Preis ist dotiert mit 20.000,00 Euro sowie einer Skulptur des Künstlers Alija Resić.

Die Jury kann jährlich wechselnde Schwerpunkte benennen.

Für die Verleihung des Preises im Jahr 2021 soll bei der Auswahl der Preisträgerin Leistungen im Zusammenhang mit der Bekämpfung der Corona-Pandemie im Vordergrund stehen.

Der Ort der Preisverleihung ist Kehl am Rhein. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Teilnahmebedingungen und Auswahl

Sowohl Eigenbewerbungen als auch Vorschläge Dritter sind zulässig.

Bewerbungen sind aus allen europäischen Ländern möglich.
Sie können auf dem Postweg oder digital in deutscher und/oder englischer Sprache eingereicht werden.

Einsendefrist ist der 01. Dezember 2020. Die Auszeichnung setzt voraus, dass bei der (Bewerberin bzw.)
Preisträgerin ein erkennbarer Bezug zu Deutschland vorliegt.

Der Name der Preisträgerin wird im Januar 2021 bekannt gegeben.

Die Teilnahmebedingungen und der werden im Downloadbereich der Stiftungsseite veröffentlicht.

Die Auswahl der Preisträgerin trifft eine Jury. Ihr gehören drei Mitglieder des Kuratoriums der Carl-Friedrich Geiger Stiftung, deren Vorsitzender sowie drei von der Stiftung berufene externe JurorInnen an. Die Jury kann jährlich wechselnde Schwerpunkte benennen.

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Die Stifterin

Christa Šerić-Geiger

Christa Šerić-Geiger wurde 1944 als Tochter einer Französin und eines Deutschen in Kehl am Rhein geboren. Dort ist sie aufgewachsen in einer Zeit, als die Grenzregion noch geprägt war von der Erinnerung an die Schrecken des Zweiten Weltkriegs. An offene Grenzen mochte damals niemand denken, aber der Brückenschlag über den Rhein und die deutsch-französische Freundschaft wurden in den Jahren ihrer Kindheit und Jugend zum Motor der europäischen Integration.  Als Vierzigjährige erlebte sie den Fall der Schlagbäume, wenige Jahre später dann die Folgen eines neuen Krieges mitten in Europa, auf dem Balkan. Auch Angehörige ihres Mannes wurden aus der bosnischen Heimat vertrieben. In Kehl half Christa Šeric-Geiger geflüchteten Verwandten beim Aufbau einer neuen Existenz, der Überwindung ihrer Kriegstraumata. Der Wunsch nach einem einigen, friedlichen Europa wurde durch diese Erfahrungen noch stärker.

Als ihr Vater Carl-Friedrich Geiger starb, übernahm Christa Šerić-Geiger das von ihm aufgebaute weit verzweigte Familienunternehmen und gründete 2006 die Carl-Friedrich Geiger Stiftung.

Sie verschaffte sich Anerkennung und Respekt als Frau in der Autobranche, einer hart umkämpften Männerdomäne. Zum Ende ihrer beruflichen Karriere musste die couragierte Unternehmerin auch Rückschläge hinnehmen, Verluste und menschliche Enttäuschungen verkraften.

Dennoch blieb sie bis zu ihrem plötzlichen Tod im März 2019 ihren Werten treu: 

  • Optimismus, Wagemut, Empathie und Herzlichkeit.

Zum ersten Todestag der Stifterin am 06. März 2020 organisierte die Stiftung die Veranstaltung „In Memoriam“ an der der Christa Šerić-Geiger Preis ausgerufen wurde:

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Ein Leben an der Europabrücke

Am Sonntag, dem 12. November 1944 in Kehl kam Christa in eine Welt, die noch durch Krieg geprägt war. Als Tochter eines Deutschen und einer Französin war sie ein Bindeglied zwischen zwei zerrissenen Nationen, die in Kehl durch den Rhein getrennt waren. 

Am Donnerstag, dem 23.November begann der Tag in Kehl wie jeder andere. Die Menschen gingen zur Arbeit, im Kehler Krankenhaus kam das letzte Kind zur Welt, bevor die Stand Kehl französisch wurde. 

Völlig überraschend drangen französische Panzer im Laufe des Vormittags in Straßburg ein und lösten eine Massenflucht über den Rhein aus. Am Nachmittag wurden der Kehler Bahnhof und der Kehler Hafen beschossen, die Rheinbrücke wurde gesprengt, deutsche Polizisten klingelten an den Haustüren: alle Kehler waren aufgefordert, die Stadt sofort zu verlassen. Es war bereits die zweite Evakuierung Kehls innerhalb weniger Jahre.

Eine chaotische Flucht der sich selbst überlassenen Bevölkerung, zu Fuß mit Handgepäck bei strömendem Regen, innerhalb von wenigen Stunden war die Stadt menschenleer. Die Menschen flohen in benachbarte Ortschaften, in den Schwarzwald, zu Verwandten, Bekannten und Fremden. Christa gerade mal zwei Wochen alt wurde in einem Wäschekorb davon getragen. Die Mutter mit den drei Kindern war bei den Verwandten im schwarzwäldischen Alpirsbach untergekommen und verblieb dort für einige Jahre. 

In Alpirsbach ging Christa zur Schule, sie liebte die Schwarzwälder Freiheit und war dort ein glückliches Kind. Und doch waren sie Flüchtlinge. Herausgerissen aus ihrer Stadt und ihren Häusern, verpflanzt in einer ohnehin schwierigen Zeit an einen Ort, an dem sie nicht heimisch waren. 

Während dessen blieb Kehl für die Kehler unerreichbar. Eine verbotene Stadt, eine Besatzungszone innerhalb der Besatzungszone. Die verlassenen Häuser und Wohnungen wurden von den Soldaten geplündert und später von den in Straßburg durch Zerstörung obdachlos gewordenen Menschen besetzt. Mit dem „rattachement administratif“ vom 1. Mai 1946 wird Kehl zu einem Teil Straßburgs. Die Straßen erhalten neue Namen: die Bierkellerstraße wird zur Rue de la Brasserie, die Friedrichstraße zur Rue de la Renaissance. Die Schulen werden französisch, es eröffnen französische Geschäfte, in der Stadt wird laut einem Bericht der französischen Zeitung aus der Zeit nur Französisch gesprochen, nicht Elsässisch. Die Stadt gänzlich umzäunt vom Stacheldrahtzahn. 

8 Jahre sollte es dauern, bis die Kehler in ihre Stadt zurückkehren durften. Für die inzwischen 7.000 Franzosen in Kehl wurde in Straßburg ein neuer Wohnraum gebaut, um ihnen die Heimkehr zu ermöglichen. Für die französischen Kehler, die sich in Kehl wohlfühlten und die in der Stadt über die Grenze eine neue Heimat gefunden hatten, war das Washingtoner Abkommen vom 8. April 1949 zur etappenweisen Rückgabe Kehls an die Deutschen ein Schock. 

Für die einen war es eine langersehnte Heimkehr, für die anderen ein tragischer Abschied. 

So auch für Christa war die Rückkehr nach Kehl keine Heimkehr, sondern ein Abschied von ihrem bisherigen Alpirsbach, dem bisher einzigen Heimatort. Gern sehnte sie sich zurück in den Schwarzwald und unternahm Sabotage, um zurück geschickt zu werden. Unglücklich futterte sie sich dicklich, um zurückzukehren. Statt dessen musste sie dem Vater an der Tankstelle beim Zigarettenverkauf und der Mutter im Haushalt helfen.  

Die beiden durch den Rhein getrennten Städte Straßburg und Kehl haben in der Vergangenheit schon öfter die Ufer gewechselt. Beide Städte haben ein gemeinsames Schicksal, in dem die Verschiebung der Grenze zwischen Frankreich und Deutschland je nach politischer Lage eine wichtige Rolle gespielt hat. Von 1678 an war Kehl fast zwanzig Jahre französisch, dann 6 Jahre deutsch, dann wieder 11 Jahre französisch und hiernach wieder fast zwanzig Jahre deutsch. In diesen kurzen Intervallen ging der Wechsel bis 1815, wo dann eine über hundert Jahre deutsche Ära einsetzte. 

1870 wurde Straßburg von deutschen Truppen belagert, großflächig zerstört und zum Teil des Deutschen Reichs. 1918 fiel die Stadt wieder zurück an Frankreich, bis sie 1940 wieder deutsch wurde. 1944 wechselte die Fahne erneut und machte Kehl zu französischem Straßburg.

Eine lange Geschichte von Zerstörung und Aufbau, von Krieg und Frieden, Trennung und Wiederbegegnung. Das Hin und Her traf Menschen, die sich einen gemeinsamen Kultur- und Sprachraum teilten, eine gewaltsame Trennung über Generationen hinweg.

Ein Ping-Pong zweier Nationen über die Brücke, die damals einzige Verbindung der einst bitter verfeindeten Städte. Die Mimram-Brücke, erbaut als Zugbrücke im Jahr 1861, und von Kehlern und Christa liebevoll als Mimibrücke genannt. 

Heute liegt Kehl im Herzen eines vereinten Europas. Auf der Passerelle des deux Rives, einer Fußgängerbrücke über den Rhein, lässt sich wunderbar picknicken. Die Europabrücke ist ein Symbol der deutsch-französischen Zusammenarbeit und des europäischen Friedens. Die Tram von Kehl nach Straßburg hat ihren eigenen Weg. Europaflaggen wehen neben den Nationalflaggen Deutschlands und Frankreichs. Die Brücken sind zum Freundschaftsband geworden. 

Die Kehler sind offene Menschen. Aus der mehrfachen Vertreibung haben sie gelernt, was es heißt, ein Fremder zu sein. Heute leben Menschen aus über 100 Nationen in der Kleinstadt am Rhein – in Kehl bleibt man nicht lange fremd. Das vereinte Europa ist in Kehl gelebter und erlebbarer Alltag. Christas lang ersehnter Wunsch nach Öffnung der Grenzen ist in Erfüllung gegangen. Es gibt keine physischen Grenzen mehr und inzwischen hoffentlich auch keine Grenzen mehr in den Köpfen der Menschen.

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Service mit Herz

Auch das ist Kunst, ist Gottes Gabe, aus ein paar sonnenhellen Tagen sich so viel Licht ins Herz zu tragen, dass, wenn der Sommer längst verweht, das Leuchten immer noch besteht.

Ein Gedicht von Johann Wolfgang von Goethe.

Dieses Gedicht war der Anfang meines von Frau Šerić handgeschriebenen Geburtstagsbriefs vom 21.06.2005. Diese Briefe und auch die besonderen, auf jeden individuell abgestimmten Geschenke zum Geburtstag und zu Weihnachten, waren für uns Mitarbeiter eine ganz tolle Wertschätzung, die nicht mit Geld zu bezahlen war. 

Zuvor möchte ich über meinen ersten Kontakt, meine erste Begegnung mit Frau Šerić erzählen. Ich war zu einem Vorstellungsgespräch in den Audi Hangar eingeladen. Schon beim Betreten des Gebäudes sind mir viele kleine Details aufgefallen. Die geschwungenen Fliesen, die tolle Dekoration, die Sauberkeit. Nachdem ich von der Dame an der Information sehr herzlich und professionell empfangen wurde, habe ich auf Frau Šerić gewartet. Als sie den Hangar betrat, sah ich eine selbstbewusste, gut gekleidete Frau mit einem strahlenden Lächeln. Sie hat mich sehr herzlich begrüßt. Während meines Vorstellungsgesprächs fragte Sie mich nach meinem Geburtstag. Nachdem ich ihr das mitgeteilt hatte, meinte sie nur, dass ich Zwilling bin und sie eigentlich mit diesem Sternzeichen keine guten Erfahrungen gemacht hat. Als sie mein Entsetzen bemerkte, hat sie gleich hinzugefügt, dass ich eigentlich kein typischer Zwilling sei. Trotz ihrer Bemerkungen über Zwillinge habe ich nach ca. 1 Stunde hochmotiviert und strahlend das Unternehmen verlassen, mit dem Wunsch hier arbeiten zu wollen. Bei einer Unternehmerin, die Wärme und Herzlichkeit ausstrahlte.

Am 01.07.2000 war dann mein erster Arbeitstag beim Autohaus Geiger und schon bald ist mir klargeworden, was das Besondere am Service mit Herz war, es war unsere Chefin, Frau Šerić . Sie hat uns vorgelebt, wie wichtig der höfliche und professionelle Umgang mit unseren Kunden ist. Wie wichtig jeder Einzelne im Team ist und seinen Teil zum Erfolg des Unternehmens beitragen kann. Sie legte viel Wert auf ein gepflegtes, ordentliches Erscheinungsbild. So kam es auch mal vor, dass ein Verkäufer nach Hause geschickt wurde da ihr der Stil seines Anzugs nicht gefiel oder Sie dem Auszubildenden das verrutschte T-Shirt zurechtgerückt hat.

Sie interessierte sich nicht nur für jeden einzelnen Mitarbeiter, sie kannte die komplette Familie. Dadurch wusste Sie über jeden Bescheid und sah sofort, wenn bei einem Ihrer Schäfchen etwas nicht in Ordnung war.  Ihre Fähigkeit jeden zu motivieren trug dazu bei, dass es für alle selbstverständlich war einen besonderen Einsatz, auch über das geschäftliche hinaus, zu erbringen. Es war selbstverständlich beim Auf- oder Abbau bei den zahlreichen Veranstaltungen zu unterstützen, bei der Bewirtung von Kunden zu helfen und auch sonst immer parat zu stehen, wenn es galt das Unternehmen in seiner Besonderheit zu präsentieren. 

Dieses Flair, das Ihre ganz persönliche Handschrift trug, machte das Haus Geiger zu einem besonderen Anziehungspunkt, Ihrem Unternehmen. 

Auch ihre beeindruckenden Dekorationen, mit viel Liebe zum Detail, waren in Kehl und Umgebung, bekannt. Besonders die Weihnachtsdekoration, bei der bis zu 10.000 Lichter zum Einsatz kamen.

Ihr oberstes Ziel war es eine hohe Kundenzufriedenheit zu erreichen. Sie kannte die meisten Kunden persönlich und Sie kümmerte sich, wenn es notwendig war, um die Belange jedes Einzelnen. Es war ihr erklärtes Ziel nicht nur Autos zu verkaufen und zu reparieren, sondern durch einen Service mit Herz eine einzigartige Kundenbindung zu erreichen. Dieser Anspruch stand immer über den reinen wirtschaftlichen Interessen. Dieser Faktor, das menschliche in den Vordergrund zu stellen war nicht nur in Kehl bekannt.

Ihrem Anspruch, mit zufriedenen Mitarbeitern höchste Kundenzufriedenheit zu erzielen, ist sie immer gerecht geworden und hat diesen mit viel Herz auch durch ihr soziales Engagement, unterstrichen. 

Ich denke, dass ich für alle ehemaligen Kollegen sprechen kann, dass es uns stolz macht, dass wir für unsere Chefin, Christa Šerić-Geiger, arbeiten durften.

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Die Frau in der Männerindustrie

In zwei Tagen, am 8. März, feiern wir den Weltfrauentag – ein Tag, an dem auch und gerade an die Gleichstellung im Arbeitsleben erinnert wird. 

Ein Thema, das in der Autobranche, in der Christa als Unternehmerin erfolgreich „ihren Mann“ oder sollte ich nicht eher sagen „ihre Frau“ gestanden hat, noch heute hochaktuell ist.

Schaut man in die Geschichte, stellt man fest, dass es eine Frau war – Bertha Benz, die 1888 im Benz Patent-Motorwagen Nummer 3 ihres Mannes Carl Benz von Mannheim nach Pforzheim fuhr – angeblich ohne Wissen ihres Mannes. Das war nicht nur die erste Autofahrt einer Frau, es war zugleich die erste Überlandfahrt mit einem Auto. Dieses mutige Handeln einer Frau erregte seinerzeit enorme Aufmerksamkeit und trug wesentlich zum schnellen Erfolg der neuen Erfindung bei.

Ansonsten finden sich in den Anfangsjahren des Automobils nur wenige Frauen-namen: Mercedes Jellinek war Namenspatin für die Automarke Mercedes-Benz, Sophie Opel durfte nach dem Tod ihres Mannes Adam Opel die Opelwerke fortführen und Eleanor Velasco Thornton Modell stehen für die berühmte „Emiliy“, die Kühlerfigur von Rolls-Royce.

Neben diesen in den Chroniken eher singulär auftauchenden Frauennamen, war das Thema Auto lange Zeit vor allem Männern vorbehalten. Der Anteil weiblicher Autofahrer blieb zunächst verschwindend gering. Auch die Automobilbranche war von der Herstellung über den Vertrieb und die Wartung fest in Männerhand. 

Diese Entwicklung war in Deutschland lange Zeit durch die rechtlichen Rahmenbedingungen vorgezeichnet, die Frauen weniger Rechte einräumten als Männern: 

So brachte erst die Weimarer Republik das langersehnte Wahlrecht für Frauen – für uns heute eine Selbstverständlichkeit. Damit konnten Frauen erstmals im Januar 1919 aktiv und passiv an einer politischen Wahl teilnehmen.

Zwischen 1920 + 1932 wurden mehr als 100 weibliche Abgeordnete in den Reichs-tag gewählt. Ihr Einsatz für die Belange der Frauen wurde von den männlichen Kol-legen leider oft als „Weiberkram“ abgetan – und in den wirklich wichtigen politischen Fragen behielten die Männer weiterhin die Oberhand. 

Dennoch schaffte die Weimarer Republik für Frauen eine neue Lebenswirklichkeit. Sie konnten sich freier geben und bewegen als ihre Mütter und Großmütter. Fast ein Drittel aller verheirateten Frauen ging einer Erwerbstätigkeit nach – darunter aber überproportional viele Arbeiterinnen und nur wenige Akademikerinnen.

Diese zarten Anfänge der Emanzipation endeten schlagartig mit dem Nationalsozialismus. Nach der Machtübernahme durch die NSDAP im Jahr 1933 wurde ein totalitärer Staat auf rassischer Grundlage mit den uns bekannten menschenverachtenden, ja menschenvernichtenden Ausprägungen errichtet. Das Frauenbild bekam einen völkisch-nationalistischen Anstrich. Man wollte keine Frau, die arbeitet. Die „ideale“ Frau sollte viele Kinder gebären. Dem Mann war hingegen die Rolle des Ernährers und Beschützers zugewiesen. Das passive Wahlrecht wurde für Frauen faktisch aufgehoben – ihre Berufs- und Bildungschancen durch Gesetze erheblich eingeschränkt. 

Im Zweiten Weltkrieg zeigte sich indes schnell, dass die Männer, die an der Front als Soldaten kämpften, zu Hause fehlten. Sie mussten durch Frauen ersetzt wer-den. In den letzten Kriegsjahren wurden Frauen sogar zur Arbeit in Munitionsfabriken zwangsverpflichtet. 

Auch nach Ende des Krieges waren es hauptsächlich Frauen, die sog. Trümmerfrauen, die die Kriegsverwüstungen beseitigten. Dies führte zu einem neuen Selbstbewusstsein der Frauen. Sie wollten sich nun auch am „politischen“ Aufbauprozess beteiligen. 

Die Aufnahme des Satzes „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“ in das Grundgesetz von 1949 wurde gegen erbitterten Widerstand aus der Männerwelt von den vier im Parlamentarischen Rat vertretenen Frauen, den „Müttern unseres Grundgesetzes“ durchgesetzt. Dieser kurze Satz stellt den größten frauenpolitischen Erfolg der Nachkriegszeit dar. Durch ihn mussten alle Gesetze abgeändert werden, die dem Prinzip der Gleichberechtigung entgegenstanden – und derer gab es viele. Vor allem im Ehe- und Familienrecht bedurfte es grundlegender Reformen, etwa der Abschaffung des sog. Gehorsamsparagraphen (§ 1354 BGB) – danach stand dem Mann als Oberhaupt der Familie in allen Fragen des Ehe- und Familienlebens das alleinige Entscheidungsrecht zu. 

Es dauerte viele Jahre, bis die im Grundgesetz verankerte Gleichberechtigung ihren Weg in das einfache Recht fand – und selbst der Wegfall rechtlicher Abhängigkeiten führte im täglichen Zusammenleben noch lange nicht zu einer faktischen Gleichstellung. Denn das gesellschaftliche Umfeld brachte für die Frauen erneut einen Rollenwechsel. Nach Gründung der Bundesrepublik erholte sich Deutsch-land schnell von den Folgen des Krieges. Mit dem deutschen Wirtschaftswunder in den 1950er Jahren mussten Frauen nicht mehr arbeiten, sondern konnten es sich „leisten“, zu Hause zu bleiben, um sich um Kinder, Küche und Ehegatten zu kümmern – und sie nahmen es hin, dass sie mangels Umsetzung der im Grundgesetz garantierten Gleichberechtigung z.B. bis 1958 ohne Zustimmung des Ehemanns oder Vaters kein Arbeitsverhältnis eingehen durften. Erst 1977 wurde im Eherecht das Leitmodell der „Hausfrauenehe“ mit seiner gesetzlich vorgegebenen Aufgabenteilung durch das Partnerschaftsprinzip ersetzt. Die rechtliche Verankerung der Gleichberechtigung im Grundgesetz und ihre praktische Umsetzung klafften lange Zeit weit auseinander. Dies wirkte sich auch auf die öffentliche Meinung aus und führte dazu, dass Arbeitgeber Führungspositionen fast ausnahmslos mit Männern besetzten. 

In den letzten Jahren hat sich in puncto Gleichberechtigung viel getan. Frauen sind inzwischen aus Positionen mit Führungsverantwortung nicht mehr wegzudenken. Unsere Bundeskanzlerin ist seit vielen Jahren eine Frau – erstmals hat die Europäische Kommission eine Präsidentin und die Europäische Zentralbank wird ebenfalls von einer Frau geführt. Auch in der Wirtschaft hat der Frauenanteil zugenommen, wenngleich hier Frauen in Führungspositionen noch immer unterdurchschnittlich vertreten sind. Dies gilt vor allem für die Autobranche – die noch heute weitgehend eine Männerdomäne ist. Zwar hat in den letzten Jahren die Zahl der weiblichen Auszubildenden in der Verwaltung und im Verkauf zugenommen. Doch die Chefs sind und bleiben in der gesamten Branche meist männlichen Geschlechts, und auch ans Auto Hand anlegen dürfen oder wollen Frauen nur sehr selten. Von einer tatsächlichen Gleichstellung sind wir gerade in diesem Wirtschaftszweig noch immer weit entfernt.

Vor diesem Hintergrund kann man sich lebhaft vorstellen, auf welche Vorbehalte Christa bei Übernahme der väterlichen Betriebe traf. 

Bei zwei Brüdern war ihr die Fortführung des vom Vater aufgebauten Firmenimperiums nicht in die Wiege gelegt. Während die Brüder studierten, kümmerte sich Christa um die kranke Mutter und half im Haushalt. Daneben absolvierte sie eine kaufmännische Lehre und war später im väterlichen Unternehmen für die Tankstellen und den Zubehörhandel zuständig. Als sich der Vater altersbedingt mehr und mehr aus dem Tagesgeschäft zurückzog, übertrug er die Verantwortung für das Kerngeschäft, das aus mehreren Autohäusern bestand, auf die Söhne. Damit war die Fortführung des Familienunternehmens in der nächsten Generation eigentlich vorgezeichnet. Aber es kommt im Leben häufig anders als man denkt. Im Mai 1983 verstarb der u.a. für den VW-Betrieb zuständige Bruder plötzlich und unerwartet. Nach diesem Schicksalsschlag entschied der inzwischen fast 80-jährige Vater, dass das gesamte Unternehmen allein von der Tochter fortgeführt werden solle. „Mein Mädchen schafft das“, soll er damals gesagt haben – ein großer Vertrauensbeweis. 

Damit wurde Christa – sie war inzwischen fast 40 Jahre alt – praktisch von einem Tag auf den anderen – ohne große Vorbereitung und Einarbeitung – ins kalte Wasser geworfen und lernte erst dann das Schwimmen. Sie stellte sich der großen Herausforderung, übernahm die Verantwortung für die diversen Betriebe des Vaters mit ihren damals insgesamt fast 100 – ganz überwiegend männlichen – Mitarbeitern. Nebenher bildete sie sich in Abendkursen zur Betriebswirtin weiter. Die neue Aufgabe in einer männerdominierten Arbeitswelt war nicht nur für Christa eine Herausforderung, auch ihre Mitarbeiter mussten sich erst an den Gedanken gewöhnen, ab jetzt keinen Chef, sondern erstmals eine „Chefin“ zu haben. Nichts Anderes galt für die damals überwiegend männlichen Geschäftspartner und viele Firmenkunden.

Die übernommene Verantwortung meisterte Christa auf ihre eigene Art mit viel persönlichem Engagement, Herzlichkeit und Offenheit. Dabei versuchte sie nie, sich mit männlichen Attributen Geltung zu verschaffen, sondern blieb sich selbst immer treu. Sie konzentrierte das Neuwagengeschäft auf die Marken VW und Audi, investierte und expandierte, baute neue Autohäuser, erweiterte vor allem den Gebrauchtwagenhandel und schaffte neue Arbeitsplätze. Bei ihren unternehmerischen Entscheidungen lag ihr die Region am Herzen, aber sie erkannte – wie schon ihr Vater – auch die Chancen, die sich aus der unmittelbaren Nähe zu Frankreich ergaben. Innerhalb des Unternehmens forderte sie ihre Mitarbeiter, aber sie förderte und lobte sie auch und hatte immer ein Ohr für persönliche Sorgen und Nöte. Zusammen mit den Mitarbeitern bildete sie ein Team, das unter Leitung der Chefin viele Jahre vom Firmensitz an der „Geiger-Kreuzung“ in Kehl sehr erfolgreich und über Grenzen hinweg agierte. Dabei legte sie großen Wert auf Kundenbindung, getreu dem von ihr und ihren Mitarbeitern gelebten Motto „Service mit Herz“. Die stets von ihr selbst organisierten und sehr persönlich gestalteten Firmenveranstaltungen, etwa anlässlich der Einweihung neuer Firmengebäude oder der Vorstellung eines neuen Automodells erlangten im Laufe der Jahre in der Region gar einen gewissen „Kultstatus“.

Auch wenn Christa am Ende ihrer Unternehmertätigkeit die eine oder andere Enttäuschung hinnehmen musste und nicht alle selbst gesteckten Ziele erreichte, so haben doch die unternehmerische Herausforderung und der Mut, mit dem sie sich viele Jahre in einer Männerdomäne erfolgreich durchgesetzt hat, ihr Leben geprägt. Sie war gegen jede Form von Diskriminierung. Für sie waren Männer und Frauen nicht nur gleich, sie anerkannte die Leistung von Frauen, die sich in den verschiedensten Bereichen engagierten und Verantwortung übernahmen, und förderte Projekte und Aktivitäten von Frauen im weltweiten Kampf gegen die Diskriminierung und für die Gleichberechtigung von Frauen.

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Christa Šerić-Geiger Preis

Auch ich wünsche Ihnen, liebe Gäste, einen schönen Abend, verbunden mit der Hoffnung, dass der erste Teil unserer Veranstaltung allen in guter Erinnerung bleiben wird, genauso wie das Gedenken an unsere viel zu früh verstorbene Christa.

Es ehrt mich die Aufgabe, Ihnen heute ein Projekt der Carl-Friedrich Geiger Stiftung vorzustellen, einen Preis bekannt zu geben, der den Namen von Christa Šerić-Geiger tragen wird. So bleiben ihr Name und ihre Persönlichkeit unvergessen –zumindest ist das unser Wunsch und unsere Absicht. So bleibt sie symbolisch immer bei uns, sie begleitet uns bei der Durchführung dieses Projektes und wir hoffen, dass sie sich über jede Preisträgerin, die in der nächsten Jahren diese Auszeichnung erhält, genauso freuen würde wie wir, die diesen Preis vergeben.

Der Wortlaut des Preises lautet:

„Mit dem Christa Šerić -Geiger Preis ehrt die Carl-Friedrich Geiger Stiftung ab 2021 jährlich Frauen, die sich auf herausragende Weise in medizinischer Forschung, kulturellen oder sozialen Einrichtungen verdient gemacht haben.

Der Preis ist dotiert mit 20.000,00 Euro sowie einer Skulptur des Künstlers Alija Resić.

Die Jury kann jährlich wechselnde Schwerpunkte benennen. Der Ort der Preisverleihung ist Kehl am Rhein“.

  • Aber wer kommt für den Preis Christa Seric-Geiger überhaupt in Frage?
  • Wen suchen wir?
  • Warum soll ausgerechnet eine Frau ausgezeichnet werden, wenn, wie Kathrin vorhin treffend sagte, für Christa Männer und Frauen selbstverständlich gleichberechtigt gewesen sind?

Und gerade aus diesem Grunde schätzte Christa insbesondere die Leistung von Frauen, die sich in den verschiedensten Bereichen genauso wie die Männer engagierten und große Verantwortung übernahmen.

Solche herausragenden Leistungen von unzähligen Frauen, die oft nicht genug sichtbar sind, will die Stiftung würdigen, unterstützen und bekannt machen.

Wie aktuell unsere Entscheidung ist, konnten wir gerade heute dem Aufruf von dem Bundespräsidenten Steinmeier aus seiner Rede zum Internationalen Frauentag entnehmen. Er fordere die Gesellschaft auf, „weiter beharrlich für Gleichberechtigung zu kämpfen“. Zu sehen sei heute auch, dass „die Errungenschaften der Frauenbewegung jeder Zeit wieder Rückgängig gemacht werden können“, sagte Steinmeier.

Aber, zurück zum Christa Šerić-Geiger Preis:

Sowohl Eigenbewerbungen als auch Vorschläge Dritter sind zulässig. Sie können auf dem Postweg oder digital in deutscher und/oder englischer Sprache eingereicht werden.

Die Auswahl der Preisträgerin trifft eine Jury. Ihr gehören drei Mitglieder des Kuratoriums der Carl Friedrich Geiger Stiftung, deren Vorsitzender sowie drei von der Stiftung berufene externe JurorInnen an. Die Jury kann jährlich wechselnde Schwerpunkte benennen.

Für die Verleihung des Preises im Jahr 2021 sollen bei der Auswahl der Preisträgerin Leistungen im Zusammenhang mit der Bekämpfung der Corona-Pandemie im Vordergrund stehen.

Wir freuen uns schon jetzt auf Ihre Empfehlungen und bitten Sie wie auch alle anderen Multiplikatoren dieses Preises, vom 01. Mai bis zum 01. November 2020 entsprechende Vorschläge per Brief oder Mail an die Stiftung zu senden. Diese Daten wie auch weitere Kriterien zum Preisvergabe finden Sie auf der Webseite der Stiftung.

Wie bereits erwähnt, gehört zur Auszeichnung neben der finanziellen Dotierung auch die Skulptur des Künstlers Alija Rešić, die er uns heute persönlich vorstellen wird.

Alija Rešić, ist ein 1952 in Prijedor, Bosnien und Herzegowina, geborener Bildhauer mit akademischer Ausbildung. Sein Studium – Akademie der angewandten Kunst, Richtung Bildhauerei- hat er ab 1980 an der Universität in Zagreb absolviert.

Er arbeitet seit 40 Jahren als selbstständiger Künstler. Seine Kunstwerke -Skulpturen, Zeichnungen und Gemälde- wurden bei zahlreichen Ausstellungen in Kroatien und im Ausland präsentiert. Er ist Träger von vielen Auszeichnungen. Der Künstler lebt und arbeitet in Istrien.

Der Künstler

Alija Rešić

Alija Rešić, ist ein im Jahr 1952 in Prijedor, Bosnien und Herzegowina, geborener Bildhauer mit akademischer Ausbildung. Sein Studium – Akademie der angewandten Kunst, Richtung Bildhauerei- hat er im Jahr 1980 an der Universität in Zagreb absolviert.

Er arbeitet seit 40 Jahren als selbstständiger Künstler. Seine Kunstwerke -Skulpturen, Zeichnungen und Gemälde- wurden bei zahlreichen Ausstellungen in Kroatien und im Ausland präsentiert. Er ist Träger von vielen Auszeichnungen. Der Künstler lebt und arbeitet in Istrien, Kroatien.

Querstraße 2a
77694 Kehl am Rhein
Deutschland

tel.+49 7851 9568923
fax+49 7851 9568924
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